VW tut’s, Siemens tut’s, Apple und Facebook tun’s – viele Unternehmen stellen gerade ihre Arbeitsweisen um. Statt Präsenzpflicht im Büro und ab und an ein paar Arbeitstagen im Homeoffice dominiert in Zukunft hybrides Arbeiten. Aber was bedeutet das genau? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Hybrides Arbeiten? Eine Definition.

Working from nine to five – das war einmal. Die moderne Arbeitswelt macht sich locker und es zieht mehr Flexibilität in viele Büros ein. Künftig wird in vielen Unternehmen hybrid gearbeitet. Bedeutet: Arbeitnehmende können sich sehr flexibel aussuchen, ob sie lieber von zuhause oder im Büro ihren To do’s nachgehen. Das kann dann etwa so aussehen, dass Teammitglieder mehrmals wöchentlich in den eigenen vier Wänden arbeiten – manchmal kommen sie vielleicht sogar über Wochen nicht ins Office.

Wobei das Mischungsverhältnis, wer, wie, wann und wo seinem Job nachgeht, individuell variieren kann und nicht konstant sein muss. Hier liegt der entscheidende Unterschied zu klassischen Arbeitsmodellen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die freie Wahl, wie sie ihre Arbeit einteilen und welcher Mix aus Homeoffice und Bürotagen sich für sie am besten eignet. Und das kann von Stelle zu Stelle völlig unterschiedlich sein.

Hybrides Arbeiten: Das sagen aktuelle Studien

In viele Unternehmen hat die neue Flexibilität bereits Einzug gehalten. Das geht aus einer Studie zum Thema „Hybrides Arbeiten“ von dem Softwarehersteller Slack hervor. Der Großteil der Mitarbeiter:innen (58 Prozent) teilt sich der Erhebung zufolge seine Zeit frei ein und entscheidet je nach Bedarf, an welchem Ort er oder sie arbeitet. Für zwei Drittel der Befragten ist die Hybrid-Lösung das bevorzugte Arbeitsmodell.

Andere Studien kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Bereits im Mai 2020 veröffentlichte das Fraunhofer IAO gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung DGFP e.V. eine Befragung von Personalleiter:innen von rund 500 deutschen Unternehmen. Etwa 70 Prozent der Befragten gaben in dieser an, dass ihr Unternehmen größtenteils auf Homeoffice umgestellt habe, und dass dieses gekommen ist, um zu bleiben.

Wunschtraum geht in Erfüllung

Für viele Mitarbeitende dürfte mit dem Einzug einer größeren Flexibilität in die Arbeitswelt ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen sein. Noch vor zwei Jahren wäre es nicht denkbar gewesen, Arbeitnehmende über lange Zeit ins Homeoffice zu schicken. Die Angst vieler Führungskräfte vor Kontrollverlust wog einfach zu schwer. Die Befürchtung: Viele Arbeitnehmende würden die Gunst die Gelegenheit nutzen und mehr Zeit mit Netflix und Social Media verbringen als mit ihrem Job.

Dann kam die Pandemie und plötzlich wurde die gesamte Wirtschaft zu einer Art Reallabor für hybrides Arbeiten. Zur Überraschung vieler Geschäftsleitungen klappte das Experiment sehr gut. Der befürchtete Produktivitäts-Gap im Homeoffice blieb definitiv aus – Untersuchungen des Stanford Institute for Economic Policy bestätigen sogar ganz im Gegenteil, dass viele Arbeitskräfte um bis zu 13 Prozent produktiver sind, wenn sie über einen längeren Zeitraum von zu Hause arbeiten.

Gibt es Nachteile des hybriden Arbeitens?

Nichtsdestotrotz gibt es Herausforderungen, die Unternehmen auf dem Weg in die neue Arbeitswelt meistern müssen. Das lässt sich nicht kleinreden. Auch das ist ein Ergebnis der bereits erwähnten Studie des Fraunhofer IAO. Zum Beispiel erfordert die neue Arbeitswelt eine neue Arbeitskultur.

Und hier gibt es in vielen Unternehmen auf verschiedenste Fragen noch keine konkreten Antworten. Zum Beispiel:

  • Wie organisieren sich Teams unter den neuen Bedingungen?
  • Wie funktioniert Teamführung?
  • Wie schaffen es Führungskräfte, Teams zusammenzuhalten, wenn sich Kolleg:innen nicht mehr regelmäßig sehen?
  • Wie misst man Leistung?

Und: Wie können sich Mitarbeiter:innen vor einer Überbelastungen durch ein Zuviel an Flexibilität schützen? Der Hintergrund: Infolge des Homeoffice verschmelzen Arbeit und Freizeit immer stärker miteinander. Die Gefahr ist groß, dass Arbeitnehmende am Abend nicht den Absprung von der Arbeit schaffen und nicht mehr abschalten können. Hier gilt es Lösungen zu finden, die Mitarbeiter:innen vor einem Burnout schützen. Ab einer gewissen Uhrzeit den Zugriff zum Firmenserver zu sperren und keine E-Mails mehr zuzustellen, wäre zum Beispiel eine Möglichkeit.

Hybrides Arbeiten: Das sind die Vorteile

Aus Sicht vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bietet hybrides Arbeiten unterm Strich aber mehr Vor- als Nachteile:

  • Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Hobbys steigt, denn hybrid Arbeitende haben bessere Möglichkeiten, ihre Arbeitszeiten an ihr Privatleben anzupassen.
  • Da Fahrten ins Büro mit Auto oder Bahn wegfallen, sparen hybride Arbeitskräfte viele Stunden ein, die sie ansonsten im Auto gesessen hätten. Zumal sich in Zeiten, in denen Spritpreise in die Höhe schießen, auch der Kontostand freut.

Und auch in anderer Hinsicht eröffnen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmenden durch hybrides Arbeiten völlig neue Perspektiven: Muss das Büro zum Beispiel über längere Zeiträume gar nicht aufgesucht werden, ist es auch denkbar, den eigenen Lebensmittelpunkt an einen völlig anderen Ort zu verlegen. Von der Stadt ins Ländliche etwa. Für ein paar Tage im Monat oder im Jahr kann man schließlich auch per ICE anreisen und vorübergehend in einer Pension übernachten.

Hybrides Arbeiten: Die Bedeutung steigt auch im Recruiting

Das zeigt: Hybride Arbeit ist für viele Arbeitnehmende inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Gerade jüngere Mitarbeitende machen die Wahl ihres nächsten Jobs daher auch immer stärker von dem Angebot flexibler Arbeitsmodelle abhängig. Das Homeoffice ist somit in den letzten 24 Monaten vom Nice-to-Have zum absoluten Must-Have avanciert.

Sie bieten hybrides Arbeiten an? Unser Tipp: Sprechen Sie in Ihren Stellenanzeigen ausführlich darüber, wie die neue Normalität in Ihrem Unternehmen aussieht. Beschreiben Sie nicht nur in ansprechenden Texten, wie Sie und Ihre Kolleg:innen jetzt zusammenarbeiten, sondern lassen Sie auch Bilder und Videos sprechen. Je konkreter Sie werden, umso besser können sich Kandidat:innen sich ein Bild von Ihrer Unternehmenskultur machen. Bedenken Sie: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Nutzen Sie sie also!