Immer wenn ein neuer Social Media Kanal auf der Bildfläche erscheint, wird dieser von Recruitern erstmal kritisch beäugt: Ist die Plattform geeignet, um darüber Talente zu rekrutieren? Bei der App TikTok heißt die Antwort im Moment oft noch: „Nein! Völlig untauglich.“ Genauso waren es bei Facebook und Instagram auch. Inzwischen sind die Kanäle nicht mehr aus der Personalbeschaffung wegzudenken. Und es gibt gute Gründe für die Annahme, dass es sich bei TikTok ebenfalls um einen Rising Star im Recruiting handelt. Diese erläutern wir in diesem Artikel.

Inhalt

  1. Was ist TikTok?
  2. Wie haben sich die Inhalte auf TikTok entwickelt?
  3. Wie wird ein Video auf TikTok produziert?
  4. Zielgruppe: Wer bewegt sich auf TikTok?
  5. Beispiele aus der Praxis: Wie funktioniert Recruiting über TikTok?
  6. Tipps für die Umsetzung: Was beim TikTok Recruiting zu beachten ist
  7. Fazit: TikTok kommt langsam im Recruiting an

 

Was ist TikTok?

TikTok ist eines der neueren Social Media Netzwerke, das in kürzester Zeit alle Follower-Rekorde gebrochen hat. Die App ging im Jahr 2016 live und hat inzwischen weltweit 800 Millionen aktive Nutzer gewonnen. Nach aktuellen Zahlen nutzen derzeit 5,5 Millionen Deutsche die Plattform.

Welche Inhalte werden auf TikTok geteilt? Das soziale Netzwerk setzt auf kurze Videos bis zu einer Minute Länge. Die Inhalte reichen von skurril über kreativ bis hin zu informativem Content. Es gibt Tänze, Fitnesseinlagen, Comedy und Musikvideos. Besonders beliebt sind die so genannten Challenges auf TikTok. Die „Salt Challenge“ etwa. Hier schütten sich TikToker eine riesige Menge Salz in den Mund. Die Mutprobe endet meist würgend und spuckend. So tickt die TikTok-Community halt.

 

Wie haben sich die Inhalte auf TikTok entwickelt?

Es gibt aber auch durchaus Aktionen auf TikTok mit ernstem Hintergrund. Bei einer Challenge unter dem Hashtag #cleansnap ging es zum Beispiel darum, einen zugemüllten Ort aufzuräumen. So wurden durch TikTok viele Strände von Plastikmüll befreit – dank der gigantischen Reichweite des Netzwerks verbreitete sich die Challenge in Windeseile im ganzen Netz. Die Clips können nämlich nicht nur in der App selbst, sondern auch auf Instagram, Facebook, Twitter und WhatsApp geteilt werden.

Insgesamt ist eine Entwicklung auf TikTok festzustellen: War der größte Teil der Videos zu Beginn eher wenig gehaltvoll, entwickeln sich die Inhalte inzwischen zunehmend in Richtung „educational Content“. Es gibt zum Beispiel jede Menge verrückte, aber zugleich aufklärende Clips über die Queer- und Transcommunity oder Videos und Statements der #Blacklivesmatter-Bewegung, die Millionen von Likes ernten. Unterschätzen Sie also den Gehalt von TikTok nicht.

 

Wie wird ein Video auf TikTok produziert?

junger Mann schaut lächelnd auf sein Smartphone

© deagreez – stock.adobe.com

Wie nimmt man nun ein TikTok-Video auf? Wer einen Clip über TikTok aufnehmen will, wählt in der App zunächst eine Tonspur oder eine Hintergrundmusik aus. Dann erscheinen auf TikTok „Regieanweisungen“, die helfen, einen eigenen kreativen Clip zu erstellen. Meist nehmen TikToker ihre Clips mit der Kamera ihres Smartphones auf. Es ist aber auch möglich, Videos nachträglich einzufügen. Bei TikTok-Videos handelt es sich meist um:

  • Die individuelle Synchronisation einer Tonspur oder eines Lieds
  • Tanzeinlagen
  • Schauspieleinlagen
  • Kurze Erklärungen

Dank verschiedenster Filter, Zeitraffer- oder Zeitlupefunktionen ist jedes Video garantiert sehr individuell.

 

Zielgruppe: Wer bewegt sich auf TikTok?

Jetzt kommen wir zu dem Part, der TikTok für die Personalbeschaffung so interessant macht. Nirgends ist die jüngste Arbeitnehmergeneration, die Generation Z, besser zu erreichen als auf dem neuen Social Media Netzwerk. 69 Prozent der Nutzer sind zwischen 16 bis 24 Jahre alt. Für sie ist TikTok ein magischer Ort, auf dem sie pro Tag eine Stunde verbringen.

Schon jetzt ist die Zielgruppe im Recruiting heiß begehrt und Unternehmen suchen händeringend nach Möglichkeiten, mit ihr in Kontakt zu treten. In ein paar Jahren wird der Kampf um die Arbeitnehmergruppe aber so richtig in Fahrt kommen. Denn schon bald verabschieden sich rund 20 Millionen der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren geborenen Babyboomer in den Ruhestand.

 

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Daher fehlen ab 2025 rund sechs Millionen Arbeitskräfte, die Arbeitgeber vor allem mit der zunehmend auf den Arbeitsmarkt strömenden GenZ nachbesetzen werden wollen. Was läge da näher, als schon jetzt den Kontakt über TikTok zu den Zettlern anzubahnen und sich hier als attraktiver Arbeitgeber darzustellen? Immer mehr Unternehmen begreifen Personalmarketing und Recruiting über TikTok daher als wertvolle Investition in die Zukunft.

 

Beispiele aus der Praxis: Wie funktioniert Recruiting über TikTok?

Unternehmen, die auf TikTok erfolgreich sein wollen, müssen sich allerdings die Mühe machen und eine vollkommen neue Social Media Strategie entwickeln als auf Facebook oder Instagram. Recruiting über TikTok funktioniert vollkommen anders. Was das bedeutet? Das lässt sich am besten an ein paar Beispielen aus der Praxis veranschaulichen.

 

#1 Klinikum Dortmund

Ein Paradebeispiel für TikTok Recruiting und Personalmarketing sind die Aktivitäten des Klinikums Dortmund, das mit seinen berufsspezifischen und zugleich amüsanten Kurzvideos enorme Erfolge auf TikTok verbucht. Die mehr als 83.000 Follower, die dem Arbeitgeber inzwischen folgen, sprechen für sich.

Zum Beispiel mit Videos wie diesen: Dramatische Musik ertönt. Ein Arzt hastet durch das Klinikum Dortmund, kniet schnaufend nieder, atmet noch einmal tief durch – und reanimiert ein Gummihuhn. Zu Hashtags wie #bestekollegen oder #spaßbeiderarbeit lernen Zuschauerinnen und Zuschauer in verschiedensten Videos das Team der Klinik von ihrer witzigen und auch emotionalen Seite kennen.

Das ist einmal etwas ganz anderes im Personalmarketing, wo es sonst ja eher ernst, sachlich und nüchtern zugeht. Das Klinikum Dortmund war einer der ersten Arbeitgeber, der TikTok als Personalmarketing- und Recruitingkanal für sich entdeckt hat. Das Personalmarketing des Klinikum Dortmunds auf TikTok wurde sogar zum Thema für Print- und Onlinemedien. Letztendlich führt dies schon heute zu einem hohen Bewerberrücklauf.

 

#2 Volksbank Mittelhessen

Ein weiteres Beispiel, wie TikTok Recruiting funktioniert, liefert die Volksbank Mittelhessen. Arbeiten bei einer Bank? Auf die Generation Z könnte das ein bisschen langweilig wirken. Junge Talente haben schnell das Bild von angestaubten Aktenordnern im Kopf, die sie von A nach B schieben, wenn sie an die Arbeit in einer kleineren Bankfiliale denken.

Dass das mit der Realität so ganz und gar nichts zu tun hat, zeigt die Volksbank Mittelhessen auf ihrem TikTok-Kanal, auf dem sie regelmäßig Einblicke in ihre schicken und technologisch bestens ausgestatteten Büros gibt. Eines der Videos mit Finanzvorstand Peter Hanker wurde über Nacht zum Viralhit. Schließlich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass der Vorstand einer großen Volksbank einfach mal ein TikTok Video dreht. Die Clips haben über Nacht das Arbeitsgeberimage der Volksbank Mittelhessen verändert – von „naja, geht so“ zu „cool, da will ich auch arbeiten“.

 

Tipps für die Umsetzung: Was beim TikTok Recruiting zu beachten ist

junger Mann, der lächelt und die Hand zur Begrüßung ausstreckt

© ASDF – stock.adobe.com

Welche allgemeinen Tipps und Erkenntnisse lassen sich aus diesen Beispielen ableiten? Ganz wichtig: Auf TikTok spricht die junge Zielgruppe zu Gleichaltrigen. Unternehmen, die den Social Media Kanal in ihr Recruiting und Personalmarketing integrieren wollen, sollten das berücksichtigen. Das Social Media Team, das für die Inhalte auf TikTok verantwortlich ist, sollte also aus der GenZ kommen. Sie sind selbst Nutzer der Plattform und haben eine hohe Affinität für die Themen Video und Social Media. Ansonsten wirken die Inhalte schnell aufgesetzt.

Außerdem ist TikTok der Place to Be für kreative Inhalte. Bierernste Videos haben hier keinen Platz. Es können zwar ernste Themen gepostet werden, allerdings werden diese immer kreativ und abwechslungsreich verpackt werden: TikTok hat eindrücklich gezeigt, dass Aufklärung und Humor sehr gut zusammenpassen.

 

Es bedarf einer Social Media Guideline

Damit ist für Arbeitgeber ein gewisses Risiko verbunden. Sie legen ihren Außenauftritt in die Hände von sehr jungen Kollegen, die Inhalte produzieren sollen, die fern von dem sind, was bislang in den Social Media Guidelines stand. Das ist absolutes Neuland.

 

 

Viele Personalmarketing-Verantwortliche sind daher ziemlich verunsichert, wie sie mit dem neuen Kanal umgehen sollen. Wir empfehlen einen gesunden Mittelweg. Es stimmt schon, dass die spontanen und intuitiven Ideen, die sind, die letztendlich am besten ankommen. Dennoch ist es empfehlenswert, vorab mit den TikTok-Verantwortlichen Grenzen abzustecken:

  • Was soll kommuniziert werden?
  • Wie darf es kommuniziert werden?
  • Ab wann werden Grenzen überschritten?
  • Für welche Botschaften steht das Unternehmen?

 

Fazit: TikTok kommt langsam im Recruiting an

Bislang hat das soziale Netzwerk TikTok immer wieder Rekorde gebrochen. Zum Beispiel ist es in kürzester Zeit zu einer der meist heruntergeladenen Apps avanciert. TikTok ist inzwischen auf Millionen von Handys auf der ganzen Welt installiert und erreicht die Generation Z wie kein anders soziales Netzwerk. Die Chancen, die damit für das Personalmarketing oder Recruiting über TikTok einhergehen, sind offenkundig.

Wichtig für den Erfolg auf TikTok ist allerdings, dass Arbeitgeber den Mut haben, neue Wege im Social Media Marketing einzuschlagen. Das ist für viele eine Herausforderung. Diese sollten Unternehmen entweder ganz oder gar nicht annehmen. Denn, wenn sie auf TikTok nur mit halber Kraft unterwegs sind, ernten sie eher einen Shitstorm statt Begeisterung. Halbherziges hat auf Social Media Recruiting noch nie funktioniert.